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Die Absicht das derzeitige „Kurhaus“ (schon die Bezeichnung ist allzu schmeichelhaft für das plumpe Gebilde...) einer grundlegenden Verwandlung zu unterzeiehen, ist als eine uneingeschränkt löbeliche zu rühmen.
Dass Architektur an den Zeitgeist gebunden sei, scheint als Ausrede für das Gebaute allzu trivial, zumal die damals bemühte Institution des „Architektenwettbewerbs“ eine gewisse Grundqualität sichern soll, die über den Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes auch in die Zukunft weist.
Wie so „Etwas“ damals den ersten Preis einer bundesweiten Ausschreibung gewinnen konnte, ist schon heute nicht mehr so recht nachvollziehbar.
Der Architekt Christoph Mäckler nannte unser „Prunkstück“ im Zentrum der Stadt, einmal in einer Kolumne in der TZ sowie einem Beitrag in einer Serie des Hessischen Fernsehen einmal sinngemäß: „...einen Unort, peinlich in Entwurf und Ausführung, eine Beleidigung für jeden Geschmack.. Und Christoph Mäckler darf das: seine Bauten haben dieses gewisse zeitlose, das sich nicht an aktuelle Architektur-Moden hält, sondern immer dem Ort versucht gerecht zu werden.
Sei es Neubau oder Ergänzung, Umbau.
Diesen Worten aus in der Tat berufenem Munde, braucht nichts hinzugefügt werden.
Soweit das Lob der Absicht...
Skeptischer sehe ich den Part der sog. „Bürgerbeteiligung in dem künftigen Prozedere.
Ein erster Punkt ist systemisch: Zwar kann (mit wenigen Ausnahmen) jeder bestätigen, daß beim Entwurf in Form und Funktion etwas ganz gehörig schief gelaufen ist...aber ich wage zu zweifeln, daß dann auch entsprechend fundierte Vorschläge zur Verbesserung des Stadtkernes folgen würden.
Mehr als allgemeine „Anregungen“ sollte man da nicht erwarten.
(Natürlich muß ich als Architekt so argumentieren...auch in dem Bewußtsein, daß es damals ja auch meine Berufskollegen waren, die die ganze Sache „verbockt“ haben. Aber eine oder mehrere Anregungen in eine adäquate Form zu giessen, ist eben nicht eins zu eins machbar...wohl oder übel muß doch wieder diese vielgeschmähte Berufsgruppe bemüht werden, in der Hoffnung auf ein Ergebnis, mit dem Bevölkerung und „Fachleute“ leben können.)
Der zweite Punkt betrifft meine persönliche Erfahrung in Sachen „Bürgerbeteiligung“:
Obwohl (...oder weil?) ich dieser Spezies angehöre habe ich mir schon vor Jahren Gedanken zum Gebäude und der umgebenden Platzgestaltung gemacht. Die Resonanz aus der politischen Ecke war gleich null...obwohl die TZ damals einen fast ganzseitigen Artikel über den Entwurf brachte.
Das war gelinde gesagt unhöflich und stillos, zumal es ja ein „Gratisentwurf“ war.
Das gleiche wiederholte sich vor kurzem auf Kreisebene., als ich mir „erlaubte“ eine kostengünstigere Alternative zum Abriss des Kreiskrankenhauses aufzuzeigen. Im Zuge der allgemeinen Klage über den Mangel an preiswertem Wohnraum schlug ich vor, zwei Geschosse abzutragen und den „Rest“ zu Wohnungen und Appartements umzugestalten....man hätte sich die nicht geringen Abrisskosten (ca.10-12 Mio €) erspart, und hätte einen funktionierenden Rohbau mit Unterkellerungzur
Verfügung gehabt, und relativ schnell zu errichtende 200-250 Wohneinheiten. Die Resonanz auf den Vorschlag: siehe oben. Einzige Ausnahme: Herr OB M. Korwisi schrieb einen ausführlichen Brief , in dem er zumindest die Position der Stadt darlegte.
Ansonsten: Ruhe. Schweigen, Ignoranz.(Siehe auch einen Artikel dazu in der Frankfurter Rundschau)
Daß ich also einer vermeintlichen „Bürgerbeteiligung“ etwas zweifelnd begegne, sollte dann nicht mehr so verwunderlich sein...aber vielleicht wird ja diesmal alles gut!

Beste Grüße: Dipl. Ing. Michael Scheitza