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Sehr geehrte Damen und Herren,
zu Ihrem Diskussionsanstoß, das Homburger Kurhaus im alten Stile neu zu errichten, möchte ich Folgendes sagen:

Es gibt sicher Bauwerke aus früheren Jahren, die dem heutigen Geschmack nicht mehr entsprechen und die bei überschaubarem Aufwand geschmackvoll rekonstruiert werden sollten. Ich finde, dass die Maßnahmen bei der Orangerie einschl. Konzertmuschel in diese Kategorie gehören.
Jedoch sollte man es mit der Rekonstruktion alter Gebäude nicht übertreiben und eng begrenzen, nämlich auf Bauwerke von besonderem historisch-architektonischen Wert. Aus verschiedenen Gründen sehen unsere Städte heute anders aus als vor 100 Jahren. Das ist in vielen Aspekten auch gut so, wenn gleich sich hier auch manche Geschmacklosigkeiten und wohl auch „Pfusch am Bau“ eingeschlichen haben. Das darf m.E. aber kein Grund sein, sich auf riskante Bauvorhaben einzulassen, um die Sehnsucht einiger nach der „guten alten Zeit“ zu befriedigen. Daher stehe ich auch den Rekonstruktionsbemühungen bezüglich der Frankfurter Altstadt kritisch gegenüber. Im konkreten Falle Bad Homburg finde ich das Kurhaus im alten Stil auch ästhetisch keinesfalls besonders ansprechend. Die wünschenswerte verbesserte Grünanlage allerdings kann man auch vor das moderne Kurhaus setzen.
In Ihrem Artikel erwähnen Sie, dass beim bestehenden Kurhaus demnächst Sanierungsarbeiten im Umfang von ca. 30 Mio. EUR anstünden (habe die genaue genannte Zahl nicht mehr zur Hand) und erwecken im Folgenden den Eindruck, dass man (wahrscheinlich für ein kleines Bisschen mehr Geld) ein wunderschönes neues Kurhaus im alten Stile mit modernem Innenleben (wohl ähnlich der Alten Oper in FfM) bekäme, das erhöhten Nutzwert habe. Dieser Zusatznutzen bleibt allerdings genauso nebulös wie Ihr Finanzierungsmodell. Aus anderen Vorhaben ist jedenfalls bekannt, dass auch „private“ Finanzierungen erhebliche Risiken für die öffentliche Hand mit sich bringen. Des Weiteren habe ich keine konkreten Zahlen über den möglichen Kostenumfang Ihres Vorschlages finden können.
Mich erinnert Ihre Vorgehensweise an die bei unseren Politikern beliebte Methode die Kosten eines Vorhabens zunächst bewusst niedrig anzusetzen, um die Zustimmung der Gremien (und der Bevölkerung) zu erhalten. Dann kommen die leider nicht vorhersehbaren Kostensteigerungen, die man nun aber bedauerlicher Weise ebenfalls finanzieren müsse. Muss ich Beispiele nennen?
Daher lehne ich den Vorschlag das Homburger Kurhaus im alten Stile neu zu errichten ab, denn einem mehr als fragwürdigem Zusatznutzen stehen unkalkulierbare Risiken gegenüber. Ich bin aber nicht gegen eine maßvolle Verschönerung des gegenwärtigen Gebäudes im Rahmen der Sanierung.